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Kommt bald die Pille, die schlauer macht?

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Category : Arbeit , Denken , Gesellschaft

Bereits seit geraumer Zeit – Studien an Mäusen und anderen Tieren wurden schon in den 1980er Jahren durchgeführt – arbeiten Forscher an sogenannten „smart pills“, also Pillen, die einen schlauer machen sollen.

Es wurden Unmengen an Geld ausgegeben, doch noch immer gibt es die „Ohne Limit“-Pille nicht. Warum eigentlich nicht?

Wo bleibt die Pille, die schlauer macht?

Es ist nicht so, dass es keine Pillen dieser Art geben würde und diese nicht konsumiert werden würden. Adderall zum Beispiel, das eigentlich nur bei Aufmerksamkeitsdefizit- /Hyperaktivitätsstörung verschrieben werden soll, wird von 8% der US-Highschool-Abgängern genommen – zu nichtmedizinischen Zwecken.

Dabei wurde bei einer aktuellen Studie festgestellt, dass Adderall keinerlei Verbesserung kognitiver Fähigkeiten jedweder Art verschafft. Viele, die Adderall einnehmen, glauben nur, dass sich ihre Leistung verbessert, wenn sie das Mittel nehmen (auch als sie ein Placebo bekamen).

Das neuere Medikament Provigil, das nur zur Behandlung von Narkolepsie zugelassen ist, wird massiv von Studenten und Geschäftsleuten genommen, die sich einen Vorteil gegenüber dem Wettbewerb verschaffen wollen.

Eine aktuelle Studie, bei der die kognitiven Fähigkeiten bei gesunden Erwachsenen auf Provigil und einem Placebo untersucht wurden, registrierte bei der Provigil-Gruppe zwar Verbesserungen bei räumlichem Arbeitsgedächtnis, Planungs- und Entscheidungsprozessen schwierigster Stufe sowie beim Gedächtnis für visuelle Mustererkennung.

Dennoch sind Fachleute der Meinung, dass sowohl Adderall als auch Provigil nicht mehr bewirken, als einen wach und bei der Arbeit zu halten (was letztlich auch Kaffee oder gewöhnliche Energydrinks tun). Die kognitive Leistung würde damit also nicht verbessert werden.

Interessanterweise wurden stimulierende Mittel mehr als 50 Jahre lang vom Militär eingesetzt – die Briten stoppten die Einnahme, weil die Mittel paranoid machen können.

Grundsätzliche Probleme

Ein riesiges Problem bei der Erstellung einer Pille dieser Art ist also die Sicherheit. Sowohl Adderall als auch Provigil können süchtig machen – alle momentan erhältlichen Medikamente dieser Art haben Nebenwirkungen.

Ein Problem prinzipieller Art ist die Tatsache, dass selbst wenn neue Neuronen gebildet werden, diese auch am Leben erhalten werden müssen. Man weiß z.B. mittlerweile, dass im Hippocampus, einer Region tief im Gehirn, die bei der Bildung neuer Erinnerungen von entscheidender Bedeutung ist, konstant neue Neuronen gebildet werden – die meisten sterben jedoch ab.

Körperliche Betätigung allein beispielsweise reicht nicht, um die neuen Neuronen am Leben zu erhalten, sie kann lediglich dazu führen, dass neue Neuronen entstehen. Erst durch mentales Training werden mehr Zellen am Leben erhalten, als produziert wurden. Beides in Kombination ist also ideal.

Damit die neuen Neuronen überleben, muss ihr Besitzer hart arbeiten, das heißt lernen. Dabei sind die schwierigsten Aufgaben am effektivsten. Die Anstrengung spielt also eine wichtige Rolle: Wir müssen nicht nur neue Dinge lernen, sondern diese müssen auch herausfordernd sein.

Ausblick

Und keine Pille kann dies allein schaffen. De facto zweifeln selbst Wissenschaftler, die in dieser Branche tätig sind daran, dass ein kognitiver Enhancer in den nächsten 50 Jahren überhaupt auf den Markt kommt.


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Welchen Effekt hat Nikotin auf kognitive Fähigkeiten?

Jeder kennt Nikotinpflaster oder Nikotinkaugummis, die Rauchern beim Aufhören helfen sollen. Sie sind relativ beliebt, obwohl man mittlerweile weiß, dass sie einfach nicht funktionieren:

In 2012 wurde eine Studie veröffentlicht, bei der 787 Erwachsene über einen Zeitraum von 6 Jahren untersucht wurden, die eine Nikotinersatztherapie in Form eines Pflasters, Kaugummis, Inhalators oder Nasensprays machten.

Nikotin hilft nicht beim Rauchenaufgeben, aber…

Das erschütternde Ergebnis: Die langfristige Rückfallquote dieser Personen war identisch mit der von Rauchern, die zu aufhören versuchten und keine Produkte dieser Art benutzten. De facto war die Rückfallquote von Kettenrauchern doppelt so hoch, wenn sie ein Nikotinersatz-Produkt nutzten.

Doch gerade Nikotin, ohne den schädlichen Träger Tabak, hat einen interessanten Effekt auf kognitive Fähigkeiten: Diverse Studie zeigen, dass Nikotin einen positiven Effekt auf die Aufmerksamkeit, Gedächtnis und die psychomotorische Geschwindigkeit hat – zumindest kurzfristig.

Für Jennifer Rusted, Professorin für Experimentelle Psychologie an der Sussex Universität in Großbritannien, ist Nikotin der zuverlässigste kognitive Enhancer, den es derzeit gibt. Die Belege für kognitive Vorteile von Nikotin seien weitaus stärker als z.B. bei Provigil.

In den letzten 6 Jahren wurden mehr als ein Dutzend Studien in Spanien, Deutschland, Schweiz und Dänemark veröffentlicht, die daraufhin deuten, dass Nikotin zeitweilig die visuelle Aufmerksamkeit, das Arbeits- und prospektive Gedächtnis verbessert. Unter Letzterem ist die Fähigkeit gemeint, sich an Absichten zu erinnern und diese auszuführen.

Bereits seit den 1970er Jahren weiß man, dass Nikotin-Moleküle in die Rezeptoren für den Neurotransmitter Acetylcholin wie ein Schüssel in sein Schloss passen. Acetylcholin nimmt bei Lernvorgängen eine maßgebliche Rolle ein.

Nikotin hat jedoch auch einen positiven Effekt auf die Dopaminproduktion. Der Neurotransmitter Dopamin gilt im Volksmund als Glückshormon und spielt eine wichtige Rolle bei der Regulation von Aufmerksamkeit, belohnungsorientiertem Verhalten, Drogensucht und Bewegung.

Macht Nikotin süchtig?

1987 schrieb das New York Times Magazine, Nikotin sei genauso süchtig machend wie Heroin, Kokain oder Amphetamine und hätte für die meisten Menschen größeres Suchtpotential als Alkohol.

Doch dies ist schlichtweg falsch. Tabak mag genauso süchtig machend sein wie Heroin, Crack und Alkohol zusammen. Doch Nikotin an sich, also ohne Tabak, scheint sicher zu sein: Es wurden keinerlei Entzugssymptome beobachtet.

Dennoch wird wohl jeder Arzt davon abraten, Nikotinpflaster zu einem anderen als gedachten Zweck (als Hilfe für alle, die mit dem Rauchen aufhören wollen) einzusetzen – obwohl Studien zeigen, dass es bei diesem Ziel nicht hilft.

Jeder muss also für sich entscheiden, ob er Nikotinpflaster oder –Tabletten zur Steigerung der mentalen Leistung einsetzen will.

Gary Lynch, Wissenschaftler an der Universität von Kalifornien, Irvine und Autor diverser Veröffentlichungen (u.a. Big Brain) zum Thema „smart pills“, äußerte sich jedenfalls folgendermaßen zum Einsatz von Nikotin:

„Nikotin hat einen legitimen Effekt. Ich nutze es selbst, wenn ich Schwierigkeiten beim Schreiben habe. Wenn ich gar nicht weiterkomme, kaue ich an einer Zigarre rum. Wenn mich jemand fragt, ob ich irgendein Mittel selbst nehme, die ich als Wissenschaftler untersuche, sage ich, dass mit Nikotin wirklich hilft.


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