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Burnout, Depression und Co.: Warum psychische Krankheiten in unserer Gesellschaft immer weitverbreiteter werden

Betrachtet man Statistiken der letzten Jahre zur Arbeitsunfähigkeit durch Krankheit, fällt auf, dass immer mehr Menschen psychische Probleme haben, die zur Nichtausübung Ihres Jobs kurz- bis mittelfristig führen, wenn nicht sogar ganz vom Arbeitsleben ausschliessen.

Diese Entwicklung ist erst seit wenigen Jahren zu beobachten und besorgt viele Sozialwissenschaftler aber auch Politiker. Denn die vermehrten psychischen Krankheiten führen zu mehr Sozialausgaben und logischerweise weniger Produktivität innerhalb des eigenen Landes.

Dabei betrifft das Problem hauptsächlich schon etablierte Industrienationen, die im Umgang mit einer hochtechnologischen Gesellschaft eigentlich geübt sein sollten. Wie kommt es also zu einem derart drastischen Anstieg an Krankheiten im Geist?

Ein härterer Arbeitsmarkt

Statistiken beweisen, was Wissenschaftler und Soziologen seit Jahrzehnten verkünden: Der Arbeitsmarkt wird zunehmend härter. Und zwar sowohl bei gelernten Jobs wie zum Beispiel Mauerer, bei Akademikern aber auch besonders bei Niedriglohn-Jobs.

Durch die Internationalisierung des Jobmarktes, aber auch durch eine knappere Kalkulation bei den Personalkosten wird der Kampf um den Arbeitsplatz immer erbitterter. Unternehmen versuchen stets, die Kosten zu senken und anstatt Aufgaben an einheimische Firmen an billigere aus dem Ausland zu vergeben (outsourcing).

Druck von oben und auch von unten

Immer mehr Angestellte im mittleren und niedrigeren Management sehen sich in der so genannten „Sandwich“-Position wieder. Hier herrscht Druck von den Vorgesetzten genauso aber von den eigenen Untergesetzten, eine aufreibende Situation.

Aber auch so gibt es immer mehr Druck in der Geschäfts- und Arbeitswelt, die letztlich oft aufgestaut wird, und es so zu Krankheiten kommt. Das kann sich in verschiedensten Formen zeigen: Depression und Manie sind genauso möglich wie Schizophrenie und Burnout, wobei letzteres am wahrscheinlichsten ist.

Mehr Möglichkeiten, Stress aufzubauen

Wer als Chef seine Mitarbeiter wirklich belasten will, hat heutzutage weitaus mehr Möglichkeiten als früher. Am Smartphone ständig verfügbar zu sein, auch am Wochenende und sonntags empfänglich zu sein sowie Homeoffice in der eigentlichen Freizeit nagen langfristig an der geistigen Gesundheit und am Nervensystem.

Auch rechtlich hat sich einiges getan, Überstunden und gestrichene Urlaube sind weitaus einfacher legal als noch vor zwanzig Jahren.

Selektion statt Mitleid

Besonders kommunale Betriebe trugen Menschen mit einem gewissen Handicap oder einfach mangelhafter Effizienz oft noch bis zur Pension mit. Das können funktionierende Alkoholiker gewesen sein, aber auch einfach Menschen mit einem psychischen Problem oder einfach sehr niedriger Motivation.

Heutzutage landen diese Menschen oft in der Frühpension durch Krankheit oder beziehen lebenslang Arbeitslosengeld.

Dadurch fallen psychische Krankheiten so stark ins Gewicht, früher wurden diese Menschen oft als „Sonderlinge“ abgestempelt und weitgehend ignoriert. Erst mit den heutigen Arbeitsmarktverhältnissen kommt die tatsächliche Anzahl an psychisch kranken Menschen ans Tageslicht.

Mehr Sicherheitsbestimmungen, mehr Kapitalismus

Die Sicherheitsbestimmungen am Arbeitsplatz nehmen stets zu. Egal ob auf der Baustelle, bei Transport- und Speditionsunternehmen aber auch in normalen Büros oder in industriellen Betrieben.

Dadurch nimmt die Anzahl der Arbeitsunfähigen durch körperliche Krankheiten stets ab, während psychische Krankheiten im Umkehrschluss umso akuter erscheinen.

Jedoch hat sich auch der psychische Druck ausserhalb der Arbeitswelt erhöht. Geldverdienen, Konsum und Prestige hat einen noch höheren Stellenwert als noch vor 20 Jahren, während die Reallöhne im Vergleich zu den Preisen gesunken sind.

Das stellt einen guten Nährboden für wachsende Unzufriedenheit, Selbstzweifel und Unausgeglichenheit dar, der oft über die Jahre in einer psychischen Krankheit endet.

Fazit

Psychische Krankheiten gibt es seit Anbeginn der Menschheit. Dass ihre Häufigkeit in den letzten Jahrzehnten so zugenommen hat, hat verschiedene Gründe, die in Veränderungen in der Wirtschaft und der Gesellschaft zu finden sind.

Trotzdem muss betont werden, dass psychische Krankheiten wohl erst in den letzten Jahren wirklich aufgeschrieben und in Statistiken eingeflossen sind, davor waren die Dunkelziffern extrem hoch und Menschen mit geistigen Krankheiten wurden oft als „Sonderlinge“ abgestempelt.


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